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Vegane Weine: Was steckt dahinter?

Wer an „vegan" denkt und kein Veganer ist, der stellt sich einen übersichtlichen Teller vor, auf dem nichts zu erkennen ist, außer vielleicht etwas Gemüse. Wie sieht es aber bei Wein aus?

Nicht nur Speisen und Lebensmittel gibt es als vegane Erzeugnisse, sondern auch vegane Weine.

Nun fragt man sich mit Recht, drehen die Veganer jetzt langsam durch? Nein, es gibt tatsächlich vegane Weine. Normal wird Wein doch aus Trauben gemacht oder wurden da etwa auch Hühneraugen dem Wein beigemischt, wovon der Verbraucher nichts wusste? Natürlich nicht!

Als vegane Weine werden Weine bezeichnet, bei denen keine tierischen Hilfsmittel verwendet werden.

Es gibt bei der Weinlese in den Weinbergen keinen Unterschied zu einem ganz normalen Wein. Ob vegan oder konventionell hergestellt, die Trauben wachsen und reifen alle auf dieselbe Art und Weise. Der Unterschied liegt in der Verarbeitung. Bei einem veganen Wein muss der Kellermeister zu Alternativen greifen.

Was passiert im Keller mit der Verarbeitung des Weines?

Nicht nur, dass in vielen arabischen Ländern die Kinder unsere Gummibärchen nicht essen, weil sie bislang Schweinegelatine enthielten, auch der geliebte Wein in Deutschland kommt nicht ohne tierische Produkte in die Flasche, um den trüben Traubensaft zu klären. Das schon seit vielen Hundert Jahren!

Für Rotwein verwendet der Winzer zum Beispiel „Eiklar" und sei Weißwein vermehrt „Speisegelatine aus Knochenmehl". Dem Huhn sein Dank, da das Eiweiß sich mit den sogenannten Trübstoffen des Weines verbindet und sich am Boden dann absetzt.

Im Anschluss wird der klare Wein dann abgezogen. Man kann es ja auch übertreiben, denn von dem tierischen Produkt bleibt so gut wie nichts im Wein zurück.

So gesehen sind die tierischen Produkte nicht unbedingt schlecht, denn es gibt auch einen positiven Nebeneffekt. Neben der Klärung findet auch eine Harmonisierung der Gerbstoffstruktur statt.

vegane weine

Wie gestaltet sich die Verarbeitung bei veganen Weinen?

Das Klärungsverfahren bei der Weinherstellung wird in der Regel unter Verwendung von Hühnereiweiß, Speisegelatine oder vegan mit hilfe mechanischer Filter durchgeführt. Die Verwendung der Hilfsmittel wird genutzt, um die Weine von Trübstoffen zu befreien.

Möglich ist als Alternative auch, dass der Wein so lange auf der Hefe verbleibt, bis sich die Trüb- und Hefeteilchen von selbst auf dem Tank -oder Fassboden absetzen (Sedimentation). Mit dieser Methode erübrigt sich ein weiteres Eingreifen. Allerdings ist diese Methode recht zeitintensiv.

Vom Qualitätsanspruch abhängig kann der Wein-Prozess so lange dauern, bis das gewünschte Ergebnis bei einem veganen Wein erzielt wird. In der Regel dauert dieser Prozess zwischen drei und sechs Monaten.

Bei den veganen Weinerzeugnissen werden die tierischen Zutaten durch pflanzliches Protein ersetzt. Das können:

• Erbsen
• Bohnen
• Kartoffeln

sein. Es können aber auch mineralische Produkte wie Bentonit, eine Zusammensetzung aus verschiedenen Tonmineralien zum Einsatz kommen, welche gleichzeitig auch Histamin aus dem Wein entfernen.

Manche Winzer achten auch darauf, dass die Weinetiketten auf den Flaschen nur aus einer pflanzlichen Leim-Basis bestehen und nicht aus Knochenleim, wenn sie auf die Flaschen geklebt werden.

Im letzten Schritt wird der vegane Wein dann frei von Trübstoffen, Hefeteilchen oder Eiweiß in Flaschen abgefüllt.

Gibt es bei den veganen Weinen im Gegensatz zu anderen Weinen einen Unterschied im Geschmack?

Geschmack & Erkennungsmerkmal veganer Weine

Häufig wird der vegane Wein mit Bio-Wein gleichgesetzt, was aber nicht zwangsläufig der Fall ist, da der Bio-Wein schon von der Bearbeitung des Rebstocks bis hin zur Traube beeinflusst wird.

Vegane Weine müssen nicht nach ökologischen Richtlinien erzeugt werden und verfügen bislang im Vergleich noch über kein europäisches Siegel, welches den Wein kennzeichnet.

Die Winzer verstehen schon ihr Handwerk und so ist es kein Wunder, dass hier geschmacklich keine Unterschiede feststellbar sind. Vegane Weine gibt es ebenso wie klassische Weine in vielen Geschmacksrichtungen und Farben. Auch preislich gibt es keine Unterschiede zu konventionellen Weinen.

Was den Geschmack jedes Weines dramatisch beeinflusst, ist seine Lagerung. Echte Weinliebhaber greifen daher immer auf einen Weinkühlschrank mit 2 Klimazonen zurück, um Weißwein und Rotwein in unterschiedlichen Ebenen auf der perfekten Temperatur zu lagern. Dies sorgt langfristig für die beste Lagerung und den besten Geschmack.

Wie erkennt der vegane Weinliebhaber einen veganen Wein?

Ohnehin ist in vielen Weinflaschen veganer Wein enthalten, ohne das die Winzer darauf hinweisen oder es auf dem Etikett verzeichnet ist. Das liegt daran, dass immer mehr Winzer auf die Klärung mit Hilfsstoffen jeglicher Art verzichten. Sie geben dem Wein auf eine ganz natürliche Art mehr Zeit, sich auf diese Weise zu klären.

So ist es auch kein Wunder, dass es für vegane Weine auch noch kein einheitliches europäisches Siegel gibt. Aus diesem Grund nutzen Winzer für ihre veganen Weine Siegel von Organisationen wie:

• Europäische Veganer-Union
• Vegan Society of England
• Vegetarierbund Deutschland

Welche veganen Alternativen gibt es zu dem Wein?

Zu den tierischen Schönungsmitteln gibt es zahlreiche Alternativen, welche auch im Geschmack der veganen Weine keine Wünsche offenlassen. Dazu gehört auch, wie hier schon erwähnt, die Mineralerde „Bentonit".

Neben Bentonit wird für den Veganer Wein häufig auch Aktivkohle verwendet, um unerwünschte Gerüche, Geschmäcker und Farben zu beseitigen. Gleiches gilt auch für Kieselsäure. Diese wird aus Schalen fossiler Kieselalgen gewonnen sowie pflanzlichen Proteinen.

Voraussetzung für eine vegane Zertifizierung

Damit der Wein im Handel auch als vegan verkauft werden kann, gibt es zwar bestimmte Rahmenbindungen, aber keine speziellen Kontrollen. Ganz im Gegensatz zu einem Bio-Wein, der diverse Kontrollen und Abläufe absolviert, um als Bio-Wein zertifiziert zu werden.

Somit stellt vegan ein Greenlabel dar, hinter dem wesentlich weniger Aufwand in der Produktion steckt als bei bio-zertifizierten Wein.

Fazit

Hauptsächlich in Ballungsgebieten und den Großstädten ist ein veganer Trend erkennbar. Genau dort, wo die räumliche und persönliche Entfernung zur Lebensmittelproduktion groß ist. Den Trend nach veganer Weinen haben auch die Supermärkte erkannt. Dennoch ist der Markt nach diesen Weinen noch sehr überschaubar.

Zum einen liegt es an dem noch recht geringen Angebot und zum anderen an der seltenen Kennzeichnung. So kann man davon ausgehen, dass ein nicht deklarierter Wein aus dem Shop oder Supermarkt im Zweifel nicht unbedingt vegan ist. Ein nachhaltiges oder ökologisches Qualitätsversprechen ist die Auslobung vegan in keinem Fall.

Häufig ist ein als vegan gekennzeichneter Wein einfach nur ein tierfrei produziertes Massenprodukt, welcher mit Sicherheit nicht die Erwartung eines strengen Veganers an den Wein erfüllt. Da bleibt höchstens dann noch der Griff zu einem veganen Bio-Wein.

Für Firmen und Betriebe, die ihre Weine nicht in Supermärkten anbieten, spielt die vegane Kennzeichnung keine Rolle, da sehr viele Winzer jetzt schon vegan produzieren.

Das Endprodukt veganer Wein ist so gesehen nichts anderes als ein konventioneller Wein, der gut gekühlt im Weinkühlschrank sicherlich seine Fan-Gemeinde der Veganer hat.

 

 

 

 

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