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Woher stammt die vegane Ernährung? Die Geschichte des Veganismus

 

Die Anfänge des Vegetarismus

Die Entscheidung, nichts zu sich zu nehmen, was vom Tier stammt oder aus Tieren gewonnen wird ist keine bloße Modeerscheinung. Die Wurzeln des Vegetarismus und des Veganismus reichen bis in die Antike zurück. Bereits von dem Philosophen Pythagoras, der um 570 bis ca. 500 vor Christus in Griechenland lebte und wirkte, ist überliefert, er habe aus Überzeugung dem Verzehr von Fleisch als auch den zu der Zeit üblichen Tieropfern abgeschworen.

Er sah sich seinem Diktum "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück" verpflichtet und blieb dieser Überzeugung lebenslang verbunden. Pythagoras stand mit dieser Haltung nicht allein da. Auch die griechischen Orphiker (600v.Chr.) standen dem Verzehr von Fleisch ablehnend gegenüber. Die Orphiker repräsentierten eine religiöse Strömung, die sich auf den Dichter Orpheus beriefen. Ihre Haltung gegenüber dem Verzehr von Tieren war religiös motiviert.

In dem festen Glauben, dass sowohl die menschliche als auch die tierische Seele nach dem Tod wiedergeboren werden und Erlösung nur der finde, wer die Reinheit seines Körpers bewahre und in Askese lebe, entsagten sie sich jeden Verzehrs und auch Gebrauchs tierischer Produkte. Für die Orphiker bedeutete das nicht nur der Verzicht auf Fleisch oder Eier, sondern auch die Abkehr von Wolle und Leder. Das Bekenntnis des Pythagoras und der Orphiker zum Vegetarismus war allerdings religiöser, nicht ethischer Natur.

 

Im Mittelalter

Zur Zeit des Mittelalters wurde die fleischlose Ernährung hauptsächlich in religiös geprägten Lebensgemeinschaften praktiziert. Zu diesen zählten die Benediktiner und die Zisterzienser. Wie auch bei den griechischen Orphikern und bei Pythagoras war der Fleischverzicht in den mittelalterlichen Glaubensgemeinschaften religiös bedingt. Ein ethisch motivierter Vegetarismus aus Achtung vor Tieren ist im kirchlichen Christentum des Mittelalters nicht zu erkennen.

 

Von der frühen Neuzeit bis Heute

In der frühen Neuzeit war der bekannteste Vertreter einer vegetarischen Lebensweise Leonardo Da Vinci (1452-1519). Das Universalgenie der Menschheitsgeschichte hinterließ seiner Nachwelt die Weissagung "Es wir die Zeit kommen, da die Menschen wie ich die Tier-Mörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschen-Mörder." Weitere bekannte Vertreter des Vegetarismus sind die Philosophen Francois de Voltaire (1694-1778) und Jean Jaques Rousseau (1712-1778).

Eine breitere Akzeptanz findet der Vegetarismus erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Die größte Resonanz erfährt die vegetarische Ernährung im angelsächsischen Raum. Die Ernährung auf pflanzlicher Basis gilt nicht nur als gesünder im Vergleich zur fleischlichen Ernährung, es gibt sogar Parteigänger des Vegetarismus, die eine Verbindung zwischen dem Verzehr von Fleisch und aggressivem Verhalten sehen. Standpunkte wie diese bilden aber die Ausnahme.


Bis dahin wurde die vegetarische Lebensweise nur von einzelnen Persönlichkeiten öffentlich propagiert. In einer institutionellen Form etablierte sich der Vegetarismus erst 1801 in London mit der Gründung des ersten Vegetariervereins. Dem folgte knapp 50 Jahre später die Vegetarian Society, die bis heute existiert. Die erste vegetarische Vereinigung in Deutschland wird 1867 in Nordhausen gegründet. Bis in das 19. und frühe 20. Jahrhundert hinein wurde der Vegetarismus fast ausschließlich als Ovo-lacto-Vegetarismus praktiziert. Anhänger einer gänzlich tierproduktfreien Ernährung waren in der Minderheit. Weitere Informationen dazu findet man auch hier.

 

Die Geschichte des Veganismus

 

Anfänge des Veganismus

Da ein völliger Verzicht auf alle tierischen Produkte bis in die Neuzeit hinein die große Ausnahme darstellt, wird bis dahin nicht zwischen Vegetarismus und Veganismus unterschieden. Ihren offiziellen Anfang nimmt die Bewegung des Veganismus 1944 in England, als sich die Vegan Society von der Vegetarian Society emanzipierte. Der Neologismus "vegan" ist eine Schöpfung von Donald Watson, der die Vegan Society 1944 aus der Taufe hob.

Watson bemühte sich um einen Begriff, der eine Demarkation unter den Vegetariern etablierte. Es ging Watson darum, diejenigen Vegetarier, die vollständig auf tierische Produkte verzichten, von jenen abzugrenzen, die das nicht tun. Bezeichnungen wie "total vegetarians" waren ihm nicht klar genug. So ersann Watson das Wort "vegan", gebildet aus den Anfangs- und Endbuchstaben von "vegetarian". Der Vegan Society zufolge bringt das Wort "vegan" einen Symbolcharakter mit sich: Der Veganismus ist die konsequente Vollendung des Vegetarismus.

 

Die vegane Ernährung

Eine vegane Ernährung schließt alle Produkte aus, die tierischen Ursprungs sind. Es verschwinden also nicht nur Fisch und Fleisch von der Speisekarte, sondern auch Milch, Eier und alle sonstigen Erzeugnisse, die von Tieren stammen oder aus Tieren gewonnen werden. Dies schließt auch Insekten mit ein. Der vegane Lebensstil dehnt sich auch auf andere Lebensbereiche aus wie Kleidung, Kosmetik oder Dinge des täglichen Gebrauchs.

Vegan zu leben bedeutet, auf Leder und Wolle von Tieren zu verzichten und stattdessen auf Produkte aus Mikrofasern und Kunstleder zurückzugreifen. Der Veganismus ist die ethisch konsequente Fortführung der vegetarischen Ernährung. Wer sich vegetarisch ernährt isst kein Fleisch und keinen Fisch, weil er nicht das Töten bzw. das Schlachten von Tieren auf sich nehmen will. Da auch die Produktion von Milch und Eiern das Töten von Tieren involviert, ist der Verzicht auf diese Erzeugnisse der nächste konsequente Schritt in der fleischlosen Ernährung.

 

Pro Veganismus

Neben den primär ethischen Gründen für eine vegane Ernährung gibt es eine Reihe weiterer Gründe für den Veganismus. So ist die Entscheidung für eine vegane Ernährung eine Entscheidung gegen die Überdüngung der Felder und gegen die Emission von Treibhausgasen.

Die Viehzucht ist mit Abstand der größte Landnutzer weltweit und Triebfaktor für die Rodung der Regenwälder. 70 Prozent der gerodeten Waldgebiete werden als Weideflächen eingesetzt, die restlichen 30 Prozent dienen dem Anbau von Futtermitteln. Die Viehzucht verursacht 9 Prozent des ökonomisch erzeugten Kohlendioxids, 37 Prozent des Methans sowie 65 Prozent der Stickoxide, im Wesentlichen durch den Einsatz von Dünger. Das ist der Preis für den Verzehr von Fleisch. Eine vegane Ernährung ist frei von alledem.

 

Contra Veganismus

Es gibt eine Reihe von Argumenten, die gegen den Veganismus angeführt werden. So wird behauptet, dass der Konsum von Soja schädlich sei. Auch hier gilt die alte Weisheit: die Dosis macht das Gift. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft wirkt sich ein mäßiger Konsum von Sojaprodukten eher positiv auf die Gesundheit aus.
Ferner wird behauptet, eine vegane Ernährung lasse keine sportlichen Leistungen zu. Das ist erwiesenermaßen nicht der Fall. Auch mit einer veganen Ernährung können sportliche Höchstleistungen erbracht werden. Es gibt sogar Profisportler, die davon berichten, dass sich sportliche Leistungen steigern lassen.


Ein weiteres Gegenargument betrifft die Unterversorgung mit dem Vitamin B12. Vitamin B12 ist eine organische Verbindung, die u.a. für die Zellteilung und die Funktionsfähigkeit des Nervensystems wichtig ist. Weil sich Vitamin B12 ausschließlich in tierischen Produkten findet, muss das Vitamin bei veganer Ernährung ergänzt werden. Dies lässt sich jedoch problemlos mit Nahrungsergänzungsmitteln oder auch einer angereicherten Zahnpasta ausgleichen.

 

 

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